Flugverspätung? Wieviel Entschädigung und Erstattung steht Ihnen zu?

Sie freuen sich auf Ihren Jahresurlaub und sind pünktlich am Flughafen – und dann teilt man Ihnen mit, dass Ihr Flug Verspätung hat.

Nach EU Fluggastrechteverordnung steht Ihnen bei einer Flugverspätung von mehr als 3 Stunden eine Entschädigung von bis zu 600 € zu. Treten Sie den Flug aufgrund dieser Verspätung nicht an, können sie zusätzlich noch die Erstattung der Ticketkosten verlangen.

Entschädigung bei Flugverspätung

Die Entschädigungshöhe hängt von der Strecke ab. Dies kann durchaus bedeuten, dass die Entschädigung höher sein kann als der Ticketpreis.

  • Strecken bis 1.500 km                            250 €
  • Strecken ab 1.500 km innerhalb der EU   400 €
  • Strecken ab 1.500 km bis 3.500 km        400 €
  • Strecken über 3.500 km                          600 €

Die Entfernung berechnet sich nicht nach der tatsächlich geflogenen Strecke, sondern nach der Luftlinie. Die Entschädigung ist für jeden Passagier zu zahlen für den Sie ein Ticket gekauft haben z.B. auch ein Kleinkind (sofern Sie für dieses gezahlt haben).

Die Entschädigung muss in bar oder per Überweisung gezahlt werden. Gutscheine oder Prämien-Meilen sind nicht zulässig.

Voraussetzungen:

Eine bestätigte Buchung des Fluges muss vorliegen und Sie müssten rechtzeitig am Check-In gewesen sein. Die EU-Verordnung Nr. 261/2004 zu Flugrechten gilt ausschließlich für Flüge, die

  • in der EU starten (unabhängig von der Fluggesellschaft) und/oder
  • in der EU landen und von einer Fluggesellschaft durchgeführt wird, deren Sitz sich in der EU, in der Schweiz, Island oder Norwegen befindet

Das Recht auf Entschädigung erhalten Sie erst bei einer Flugverspätung von mehr als 3 Stunden. Für die Berechnung der Verspätung ist der Zeitpunkt der Ankunft am Ziel bzw. der Zeitpunkt, an dem die Türen des Flugzeuges geöffnet wurden, entscheidend.

Sollten die aufgrund der Verspätung einen Anschlussflug verpasst haben, haben Sie auch Anspruch auf eine Entschädigung wenngleich der erste Flug nur eine geringe Verspätung hatte. Voraussetzung dafür ist, dass

  • beide Flüge müssen bei derselben Fluggesellschaft gebucht worden sein *
  • die Verspätung am Endziel beträgt mehr als 3 Stunden

*Bei getrennt gebuchten Flügen besteht natürlich auch die Möglichkeit der Inanspruchnahme der Entschädigung, sofern dieser bereits eine Verspätung von mehr als 3 Stunden hatte.

Keine Entschädigung ist von der Fluggesellschaft zu zahlen, wenn diese nachweist, dass die Verspätung aufgrund außergewöhnlicher Umstände aufgetreten ist.

Diese sind z.B: Naturkatastrophen, Streik oder terroristische Angriffe. Wann liegt ein außergewöhnlicher Umstand vor? Dies ist umstritten und wird oft erst vor Gericht entschieden – meist zu Gunsten der Passagiere. Die Fluggesellschaften berufen sich oft bei Verspätungen aufgrund technischer Defekte (auch beim Check-In) auf einen außergewöhnlichen Umstand.

Der Anspruch auf Entschädigung verjährt nach 3 Jahren nach dem Flug zum Jahresende.

Auch bei Pauschalreisen haben Sie nach EU-Fluggastrechteverordnung Anspruch auf Entschädigung von der Fluggesellschaft, nicht vom Reiseveranstalter.

Erstattung des Ticketpreises

Sie haben das Recht die Reise bei einer Flugverspätung von mehr als 5 Stunden abzubrechen. Hier haben Sie dann auch Anspruch auf Erstattung der Ticketkosten, welche Ihnen innerhalb von 7 Tagen zu zahlen sind. Ist die Verspätung erst bei einem Zwischenstopp aufgetreten, haben Sie Anspruch kostenlos zu Ihrem Startflughafen zurückgebracht werden. Die Fluggesellschaft darf hier auf keinen Fall, die Kosten der bereits geflogenen Strecke von der Erstattung abziehen.

Wenn eine alternative Beförderung keinen Sinn mehr macht (z.B. Termin verpasst) ist diese Variante am Sinnvollsten. Alternativ können Sie auch eine alternative Beförderung zum geplanten Ziel verlangen, allerdings erhalten Sie dann keine Rückerstattung der Ticketkosten.

Die Erstattung des Ticketpreises oder Alternativbeförderung besteht zusätzlich zu dem Anspruch auf Entschädigung bei Flugverspätung.

Schadenersatz

Schadenersatz bedeutet, dass die Fluggesellschaft für konkrete Folgeschäden, durch Verspätung oder Ausfall, aufkommen muss. Schadenersatz ist daher nicht zu verwechseln mit der Erstattung, Entschädigung bzw. Ausgleichszahlung.

Schadenersatz bei Flugverspätungen sind unter anderem im Montrealer Übereinkommen geregelt.

In diesem Übereinkommen ist festgelegt das Passagiere bei der Fluggesellschaften nicht nur für den materiellen, sondern auch für den immateriellen Schaden, Schadenersatz einfordern können (bis zu 6.000 EUR).

Beispiele für einen Anspruch auf Schadenersatz können folgende Punkte sein:

  • Ersatzbeförderung, Verpflegung und Unterkunft (Betreuungsleistungen oder Alternativbeförderung wurden seitens der Fluggesellschaft nicht zur Verfügung gestellt)
  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter
  • Ersatz von Anwaltskosten (sollte die Entschädigungsleitung in Verzug geraten und ein Rechtsstreit daraus entstehen)
  • Verpasste Termine (Durchsetzung ist komplex und wird in der Regel durch eine pauschale Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung gezahlt.

Betreuungsleistungen

Bereits ab einer Verspätung von 2 Stunden besteht Anspruch auf eine Betreuungsleistung. Bei Verspätungen, die sich bis zum nächsten Tag hinziehen, muss die Fluggesellschaft für die Übernachtung und des Transfers zum Hotel aufkommen.

  • Wartezeit ab 2 Stunden (Flüge bis 1.500 km) – Kostenlose Getränke, Essen ggf. Telefonate oder E-Mails
  • Wartezeit ab 3 Stunden (Flüge von 1.500 km – 3.500 km) – Kostenlose Getränke, Essen ggf. Telefonate oder E-Mails
  • Wartezeit ab 4 Stunden (Flüge ab 3.500 km) – Kostenlose Getränke, Essen ggf. Telefonate oder E-Mails
  • Wartezeit ab 5 Stunden (bei allen Flügen) – Anspruch auf alternative Beförderung oder Rücktritt vom Vertrag und Rückerstattung der Kosten für das Ticket

Abflug am nächsten Tag (bei allen Flügen) – Übernachtung im Hotel inkl. Transfer

Entschädigung bei Dienstreisen

Dienstreisende sind die am meist betroffene Personengruppe, wenn es um Flugverspätungen geht. Die Entschädigungen und die Fluggastrechte stehen dem Passagier zu nicht dem Arbeitgeber.

Benötigte Nachweise

  • Bestätigung der Fluggesellschaft über die Verspätung (falls möglich)
  • Bordkarte/Flugticket als Nachweis behalten
  • Alle Rechnungen für z.B. Lebensmittel, Mietwagen und Hotelkosten
  • Gesamten Ablauf dokumentieren
  • Kontaktdaten der anderen betroffenen Passagiere austauschen