Geschäftsführervertrag

Sie haben das Angebot bekommen, in einem Unternehmen die Geschäftsführung zu übernehmen? Bevor Sie nun Ihren Vertrag unterzeichnen, sollten Sie vorab ein paar wichtige Dinge berücksichtigen.

Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  1. Absicherung Ihres alten Arbeitsverhältnisses

Für den Fall, dass Sie derzeit noch bei einem Unternehmen arbeiten, deren Geschäftsführer Sie demnächst werden sollen, so sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Ihr derzeitiges Arbeitsverhältnis abgesichert ist, falls Ihre Geschäftsführertätigkeit wieder enden sollte.

Es ist gerade deshalb so wichtig, weil Sie als Geschäftsführer keinerlei Kündigungsschutz haben. Verlieren Sie also Ihren Posten als Geschäftsführer, so stehen Sie anschließend kündigungsschutzrechtlich sehr schlecht dar.

Aus diesem Grund sollten Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass ihr derzeitiges Arbeitsverhältnis für die Dauer der Tätigkeit als Geschäftsführer stillgelegt wird und wiederauflebt, sobald Ihre Tätigkeit als Geschäftsführer zu Ende ist.

  1. Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen

Da Sie als Geschäftsführer über keinen Kündigungsschutz verfügen, müssen Sie durch andere Kriterien im Vertrag geschützt sein. Achten Sie also darauf, dass Ihnen eine lange feste Vertragslaufzeit ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Kündigung angeboten wird. Die Laufzeit sollte dabei nicht unter zwei Jahre liegen. Auch für die Kündigung sollten Sie besondere Vereinbarungen treffen. So etwa, dass ihnen lange Kündigungsfristen von mindestens 3, besser jedoch 6 Monaten eingeräumt werden.

  1. Koppelungsklausel

Als Geschäftsführer stehen Sie in einem doppelten Verhältnis zum Unternehmen. Zum einen sind Sie ein gesetzliches Organ des Unternehmens, dessen Rechte und Pflichten gesetzlich geregelt sind und zum anderen haben Sie einen Dienstvertrag mit dem Unternehmen. Beides besteht unabhängig voneinander. Daher sollten Sie darauf achten, ob eine sogenannten Koppelungsklausel in Ihrem Vertrag enthalten ist. Diese würde dazu führen, dass die Abberufung als Geschäftsführer gleichzeitig die Kündigung Ihres Geschäftsführervertrages bedeuten würde. Stimmen Sie solch einer Klausel also nur zu, wenn diese auf die im Geschäftsführervertrag vereinbarten möglichst lange Kündigungsfristen hinweist und nicht auf die allgemein geltenden Kündigungsfristen für Arbeitnehmer.

  1. Chance of Control- Klausel

Achten Sie darauf, dass ihr Geschäftsführervertrag eine sogenannte Chance of Control-Klausel beinhaltet. Im Falle eines Gesellschafterwechsels bietet Ihnen diese ein Sonderkündigungsrecht mit verkürzter Kündigungsfrist und die Festlegung einer Abfindung (diese sollte in etwa Ihrem Gehalt entsprechen, das sie aufgrund der verkürzten Vertragslaufzeit verlieren).

An dieser Stelle empfiehlt es sich, einen Anwalt hinzuzuziehen. Dieser kann meistens genauer beurteilen, ob die Chance of Control-Klausel angemessen erscheint.

  1. Aufgabenbereich und Vertretung

Haben Sie einen klar vorgegeben Bereich, in deren Sie tätig sein werden, so achten Sie darauf, dass dies im Vertrag festgelegt und genau bestimmt ist, was ihr Tätigkeitsfeld umfasst.

Darüber hinaus sollten Sie abklären, ob Ihre zukünftigen Mitgeschäftsführer Ihnen für gewisse Bereiche, eine Ermächtigung zur Alleinvertretung erteilen. Denn eine Gesamtvertretung kann Sie erheblich in Ihrer Arbeit beeinträchtigen, wenn sie in großem Umfang Verträge im Namen des Unternehmens abschließen, ändern oder kündigen.

  1. Haftungsrisiken

Als Geschäftsführer haben Sie natürlich sehr viel Verantwortung zu tragen und dementsprechend auch hohe rechtliche Haftungsrisiken. Damit dies nicht zu schlaflosen Nächten führt, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass in Ihrem Geschäftsführervertrag ausreichend Regelungen getroffen werden.

Zum einen können Sie versuchen, Haftungsbeschränkungen mit in den Vertrag aufzunehmen, so z.B., dass sie nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit haften müssen. Hier sollten Sie sich anwaltliche Unterstützung suchen, denn haftungsbegrenzende Klauseln können schnell unwirksam sein.

Des Weiteren sollten Sie darauf wert legen, dass zu Ihren Gunsten eine D & O Versicherung (Directors and Officers- Versicherung) abgeschlossen wird. Diese sichert Ihnen im Falle von Schadensersatzansprüchen eine ausreichende Deckung.

  1. Entlastung

Mit einer Entlastung sprechen die Gesellschafter dem Geschäftsführer Ihr Vertrauen aus, indem sie ein Häkchen unter die Arbeit des Geschäftsführers setzen und somit ihr Einverständnis kenntlich geben. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil mögliche Schadensersatzansprüche der Gesellschaft, die ihr zum Zeitpunkt der Entlastung zustanden, durch die Entlastung ausgeschlossen werden, im Falle, dass die Gesellschafter diese Ansprüche zum Zeitpunkt des Beschlusses kannten oder hätten kennen müssen.

Allgemein haben Sie als Geschäftsführer keinen Anspruch auf Entlastung. Daher sollten Sie vertraglich festlegen, dass sich die Gesellschaft dazu verpflichtet, einmal jährlich über Ihre Entlastung zu entscheiden.

  1. Klare Regelungen zu variablen Gehaltsbestandteilen und Sachbezügen

In der Regel erhalten Geschäftsführer orientiert am Erfolg ihrer Arbeit weitere Leistungen, u.A. Gewinnbeteiligungen (Tantiemen). Hierbei sollten Sie darauf achten, dass die Grundlage zur Berechnung ihres Anteiles vertraglicher Bestandteil ist.

Auch Sachleistungen, wie die Stellung eines Dienstwagens oder Telefons sowie eines Laptops ist üblich und sollte vertraglich festgehalten sein.

  1. Krankheitsfall und Urlaubsansprüche

Als Geschäftsführer steht Ihnen kein gesetzlicher Anspruch auf Urlaub oder Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall zu. Daher sollten solche Leistungen auch im Geschäftsführervertrag festgelegt werden. Hierbei sollten Sie berücksichtigen, dass Ihnen mindestens drei Monate Entgeltfortzahlung und 30 Werktage Urlaub zugesichert werden.

  1. Wettbewerbsverbot

Sieht Ihr Unternehmen vor, dass Sie auch nach Ende Ihrer Anstellung keiner Konkurrenz machen dürfen, so sollten Sie dem kritisch gegenüberstehen. Sollten Sie sich auf solch ein Verbot einlassen, so sollte es nicht länger als sechs Monate andauern und noch eine Karenzentschädigung von über 50% Ihrer zuletzt erhaltenen Gesamtvergütung beinhalten. Nach Möglichkeit sollte Ihr Vertrag allerdings gar kein Wettbewerbsverbot enthalten.

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