Kommt ist aufgrund von Enteisung des Flugzeuges zu einer Flugverspätung, dann kann die Fluggesellschaft sich nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand aus Art. 5 Abs. 3 der Fluggastrechteverordnung (VO) berufen. Beträgt die Verspätung zudem mehr als drei Stunden, dann steht den betroffenen Passagieren eine Entschädigung nach Art. 7 Abs. 1 VO zu. So entschied das Amtsgericht Frankfurt am Main in ihrem Urteil vom 06.02.2017.

Im konkreten Sachverhalt erreichte eine Passagierin ihr Reiseziel Cancun erst mit einer Verspätung von mehr als 24 Stunden. Aufgrund einer Enteisung konnte der erste Flug nicht pünktlich starten, weshalb sie ihren darauffolgenden Anschlussflug verpasste. Hieraufhin klagte die Passagierin gegen die Fluggesellschaft und forderte eine Entschädigungszahlung.

Das Amtsgericht Frankfurt gab der Klägerin recht, denn nach Art. 7 Abs. 1 VO stehe ihr in diesem Fall eine Entschädigung zu. Die Fluggesellschaft könne sich nicht auf Art. 5 Abs. 3 VO berufen, denn die Enteisung eines Flugzeuges falle nicht unter einen außergewöhnlichen Umstand, wie er von Art. 5 Abs. 3 VO gefordert wird. Vielmehr gehöre es zu den Pflichten eines jeden Luftfahrtunternehmens, das Fluggerät in einem technisch flugbereiten Zustand bereitzustellen. Gerade in den Wintermonaten sei die Enteisung üblich und dementsprechend auch zu erwarten und keinesfalls als einen außergewöhnlichen Umstand zu betrachten.